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Ziffernblatt  (Quelle: Stadtkirche Celle)

Geschichte

Die Stadt Celle entstand aus dem Markt Celle, dem heutigen Altencelle, das im späten 10. Jahrhundert als „Kellu” bezeugt und ca. 4 km südöstlich vom jetzigen Stadtzentrum entfernt ist. Der Name Celle entstammt dem sächsischen Wort „Kellu” und bedeutet „am Wasser gelegen”. 1292 verlegte Herzog Otto der Strenge (1282-1320), ein Urenkel Heinrichs des Löwen, seine Burg und den Ort flussabwärts auf eine Talsandinsel am Zusammenfluss von Aller und Fuhse. In dieser Zeit wurde auch der Grundstein für die im Jahre 1308 der hlg. Maria geweihten Kirche gelegt. Als wichtiger Schnittpunkt sich hier kreuzender Heer- und Handelsstraßen, wehrtechnisch und strategisch günstig gelegen, blühte die Stadt schnell auf.

1371 nahm Herzog Magnus hier seine Residenz, und 1378 verlegte Herzog Albrecht die Residenz des Fürstentums Braunschweig-Lüneburg von Lüneburg nach Celle. Nach dem Ende des Lüneburger Erbfolgekrieges 1388 wurde Celle welfische Residenz und blieb es bis zum Erlöschen der Celler Linie im Jahre 1705. Handel und Schifffahrt sowie die fürstliche Hofhaltung mehrten den Reichtum der mittelalterlichen Stadt. Bereits unter Herzog Ernst dem Bekenner (1497 -1546) wurde der Grundriss der Stadt im Schachbrettsystem nach Süden hin gezielt erweitert.

Dieser bedeutende Renaissancefürst führte mit dem Theologen Urbanus Rhegius (1489-1546) seit 1526 behutsam und umsichtig die Reformation in Celle ein. Nach dem Augsburger Religionsfrieden im Jahre 1555 setzte sein Sohn, Herzog Wilhelm der Jüngere (1535-1592), den Aus- und Aufbau einer stabilen Landeskirche fort. Auch dessen Sohn, Herzog Ernst II. (1564-1611) widmete sich der Förderung des kirchlichen Lebens. Er berief Johann Arndt (1555-1621) als Generalsuperintendenten nach Celle und an die Stadtkirche. Arndt gehörte zu den bedeutendsten Gestalten des nachreformatorischen Protestantismus. Seine „Bücher vom wahren Christentum” und das in Celle entstandene „Paradiesgärtlein” wurden zu Bestsellern der christlichen Weltliteratur. Es sind Erbauungsbücher, die von der lutherischen Rechtfertigung allein aus Gottes Gnade ausgehen; dann aber die Ausprägung christlichen Lebens im Alltag fordern. Seine Bücher waren so gestaltet, dass auch vielbeschäftigte Bauern und Hausfrauen die kurzen Abschnitte lesen konnten. So wurde es schon im 17. Jahrhundert in immer neuen Auflagen weit über Deutschland hinaus verbreitet. Das Nachschlagewerk „Gestalten der Kirchengeschichte” resümiert 1993: „In der Frömmigkeitsgeschichte des Protestantismus bleibt er eine Größe, die noch von keinem anderen überboten worden ist.”

Eine letzte Blüte als Residenzstadt erfuhr Celle unter Herzog Georg Wilhelm (1624-1705). Der italienische Barockkünstler Giovanni Battista Tornielli stattete sowohl das Celler Schloss als auch die Stadtkirche mit kostbaren Stuckarbeiten im Stil des italienischen Hochbarocks aus.

Nach dem Erlöschen der welfischen Herzogslinie in Celle im Jahre 1705 blieb der Stadt jedoch die Generalsuperintendur in kurhannoverschen Landen erhalten. Der Generalsuperintendent Friedrich Jakobi (1712-1791) war ein beredter Prediger und vielseitiger Schriftsteller im aufgeklärten 18. Jahrhundert. Neben der Schaffung eines neuen Katechismus und einer Liedgutsammlung trat er als erster Direktor der Königlichen Landwirtschaftlichen Gesellschaft für die Verbesserung der Landwirtschaft und ihres Standes ein.

Die Wirren des Siebenjährigen Krieges, die Befreiungskriege sowie die Einverleibung des Königreiches Hannover in den preußischen Staatsverband im Jahre 1866 hinterließen in der Bausubstanz Celles keine Spuren. Auch die beiden Weltkriege verschonten die Stadt weitgehend. Als ihr weithin sichtbares Wahrzeichen belebt erst seit 1913 der 74 m hohe Turm der Stadtkirche die Silhouette der Stadt.