|
Evangelisch-lutherische Stadtkirche St. Marien Celle
Ein kurzer Rundgang
Herzlich Willkommen in unserem Gotteshaus. Sie gehen hier den Spuren unzähliger Kirchenbesucher nach
und begegnen Glaubenszeugnissen aus sieben Jahrhunderten. Vielleicht durchqueren Sie die drei Kirchenschiffe und denken dabei an die Dreieinigkeit:
an Gottes Schöpfermacht, das Vertrauen auf Jesus Christus und die Kraft des Heiligen Geistes.
Wenn Sie zur Mitte des Hauptschiffes gehen, haben Sie einen guten Überblick. Schauen Sie nach oben, so sehen Sie über dem
Chor eine besonders schöne mittelalterliche Kreuzigungsgruppe, das älteste Bildwerk der Kirche, vor 1500 geschaffen. Unter dem Kreuz
stehen Maria, Jesu Mutter, und Johannes, sein Lieblingsjünger. Wie Wächter stehen Petrus und Paulus an den Pfeilern vor dem
Hohen Chor, der mit seinen gotischen Rippenbogen die Blicke nach oben führt. Die Stukkaturen der Engel und Pflanzen erwecken den Eindruck eines himmlischen Gartens.
Wie ein Schirm wölbt sich die Decke über den Altar. Beschirmt, beschützt dürfen die Menschen hierher kommen. Dieser so
schmuckreiche, farbenfrohe Flügelaltar zeugt vom Kunstschaffen der Übergangszeit von der Spätrenaissance zum Barock. In den Bildern kommt Jesus den Menschen ganz nahe. Die Epitaphe im Chorraum sind Gedenksteine an die Herzöge von Braunschweig
-Lüneburg, die seit dem 15. Jahrhundert in Celle residierten.
Ein besonderes Kleinod ist der 400-jährige Taufstein mit seinen sechs Alabasterreliefs in der gotischen Taufkapelle. Der Bergpredigeraltar des Celler Künstlers Erich Klahn bildet einen eindrucksvollen Gegenpol.
Als Herzog Ernst der Bekenner mit seinem Generalsuperintendenten Urbanus Rhegius die Reformation im Celler und Lüneburger Land einführte, wurde die ursprüngliche Marienkirche eine evangelische Gemeindekirche, eine Predigtkirche.
Für die schmuckreiche barocke Ausgestaltung sorgt en später italienische Kunsthandwerker. Si e findet besonders Ausdruck in den Mustern und Formen der Stukkaturen des Tonnengewölbes. Die Kanzel wurde von
dänischen Kunsthandwerkern geschaffen. An der nördlichen Empore sind Bilder zum Neuen Testament, an der südlichen zum Alten Testament zu sehen, die wie eine Bilderbibel
angeschaut werden können. Umgeben von Emporenbildern ragt der reich geschnitzte, eindrucksvolle Orgelprospekt auf, hinter den 1999 ein neues Werk nach den ursprünglichen Plänen von 1687 eingebaut wurde.
Die dem südlichen Seitenschiff angegliederte Petershalle mit Kruzifix und Altartisch aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ist als vielgenutzter Raum der Stille eingerichtet.
In der Fürstengruft des Welfenhauses ist neben den Celler Herzögen und ihren Gattinnen auch die Prinzessin Sophie Dorothea
beigesetzt worden, die als Prinzessin von Ahlden bekannt war. Sie war die Großmutter Friedrichs des Großen. Als letzte wurde
hier 1775 Königin Caroline Mathilde von Dänemark bestattet. Dänische Besucher legen manchmal Blumen auf den Sarg.
 Im Sommerhalbjahr können Sie den 74 m hohen Turm besteigen. Von hier aus haben Sie einen herrlichen
Blick über die Stadt und das weite Celler Land.
Die Glocken der Stadtkirche erklingen weit über die Altstadt hinaus, und der Turmbläser lässt die Menschen
aufhorchen, wenn er morgens und abends einen Choral bläst. In der Turmhalle und bei den Eingängen finden Sie Einladungen, Hinweise auf die Gemeindearbeit und auf Veranstaltungen. Am Büchertisch erhalten
Sie Kunstführer und Karten, die Ihnen helfen, mehr von der Kirche zu erfahren und zu entdecken.
Wenn Sie die Kirche und die Stadt Celle verlassen und zurückblicken, sehen Sie den Stadtkirchenturm. Er ist ein Wahrzeichen der Stadt, ein Zeichen der Wahrheit der Glaubensbotschaft, denn Kirchen erzählen vom Glauben.
 Zur Baugeschichte der Stadtkirche
Die Entstehung der Stadtkirche reicht in die Zeit der Stadtgründung Celles, am Ende des 13. Jahrhunderts, zurück.
Der die Fachwerkbauten der Stadt überragende Hohe Chor mit seinem 7/12-Schluss, den hohen Spitzbogenfenstern und dem mächtigen Ziegeldach ist der älteste noch erhaltene Baukörper des Gotteshauses. Er
stellt gleichsam das große Haus unter den Häusern der Stadt dar. Die ursprünglich rein gotische, querschifflose,
aus Backsteinen und Feldsteinen errichtete dreischiffige Hallenkirche wurde im Jahre 1308 “unserer lewen frowe” - der Jungfrau Maria - geweiht. Sie liegt auf einer leichten Anhöhe zwischen Schloß, Altem Rathaus und
Bürgerhäusern in unmittelbarer Nähe des Marktes und hat somit einen besonderen Platz im Herzen der Stadt und ihrer Einwohner.
Das Langhaus wurde während des 14. Jahrhunderts in mehreren Bauphasen errichtet, wie dieses die unterschiedlichen
Jochgrössen zeigen. Während des 16. und 17. Jahrhunderts wurde die Kirche wesentlich umgestaltet. Der bis dahin sichtbare
Backstein wurde innen wie außen durch einen Wandverputz verdeckt. Das Mittelschiff hat fünf Joche, von denen die zwei
westlichen in ihrer Ausdehnung größer sind. Die heute im Innern der Kirche sichtbaren architektonischen Formen und
Ausstattungsstücke wurde im Laufe der Jahrhunderte den jeweiligen Vorlieben und Strömungen der Zeit angepasst. Das macht
das Ensemble vielfältig, ja vielseitig, und spiegelt somit in vielen Brechungen menschliche Geschichte und religiöse Entwicklungen.
Besonders die umwälzenden Neuorientierungen der nachreformatorischen Zeit und die Eingriffe des bis zum Jahre 1705
regierenden braunschweigisch-lüneburgischen Herzogshauses haben tiefe Spuren hinterlassen. Die in vorreformatorischer Zeit
vorhandenen 17 Altäre wurden auf einen reduziert. In die Seitenschiffe wurden Emporen für die wachsende Gemeinde eingebaut,
damit sie auch räumlich nahe an das von der Kanzel verkündete Wort rückte. Die prächtige Ausstattung des Hohen Chores
übernahm das Herzogshaus, dem noch heute die Gruft als Grablege der Welfen gehört. Aber auch das die Kirche mittragende
Bürgertum ist vielerorts präsent. Erst 1913 errichtete man vor dem Westwerk den die Silhouette der Stadt beherrschenden
Kirchturm. Er nimmt die beschwingten Proportionen des barocken Dachreiters von Johann Caspar Borgmann aus dem Jahre 1717
auf und steigert die Grösse des Gotteshauses. Seit 1530 hatte die Kirche nur einen jetzt auf dem östlichen Dach befindlichen Dachreiter.
|